FISAT drängt auf die Gleichstellung des Arbeitsmittels Seil – Arbeitsbühnen und Gerüste sind nicht sicherer

Seit einiger Zeit arbeitet der FISAT intensiv daran, dass das Arbeitsmittel Seil mit anderen Arbeitsmitteln für zeitweilige Arbeiten an hoch gelegenen Arbeitsplätzen gleichgestellt wird.

Was steckt dahinter?

In der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) – das ist die deutsche Umsetzung der europäischen Arbeitsmittelrichtlinie 89/655/EWG, die später durch die Richtlinie 2009/104/EG ersetzt wurde – werden für zeitweilige Arbeiten an hoch gelegenen Arbeitsplätzen die Arbeitsmittel Gerüste, Leitern und das Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen genannt (BetrSichV Anhang 2, 5.). Des Weiteren ist in der BetrSichV zu lesen, dass dem kollektiven Gefahrenschutz Vorrang vor dem individuellen Gefahrenschutz eingeräumt werden muss. Als kollektive Schutzmittel werden Geländer, Plattformen und Auffangnetze genannt (92/57/EWG, Anhang IV, Teil B, Abschnitt II, 5.).

Das bedeutet, dass – gemäß BetrSichV – das Arbeitsmittel Gerüst Vorrang vor dem Arbeitsmittel Seil hat.

Ebenfalls ist in der BetrSichV (Anhang 2, 5.1.5) zu lesen, dass „Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahmen von Seilen nur angewandt werden [dürfen], wenn die Verwendung anderer, sichererer Arbeitsmittel nicht verhältnismäßig ist, und wenn die Gefährdungsermittlung ergibt, dass die betreffende Arbeit sicher durchgeführt werden kann.”

Aber was ist denn sicherer?

Von Vertretern des dualen Arbeitsschutzsystems – der Arbeitsschutz wird in Deutschland einerseits vom Staat und andererseits durch die Berufsgenossenschaften gestaltet – werden Arbeitsbühnen und Gerüste als sicherer definiert.

Das ist erstaunlich, denn jeder, der einen entsprechenden Führerschein hat, kann eine Arbeitsbühne mieten und nach kürzester Einweisung damit herumfahren und die Bühne schwenken, was Gefahren für die Arbeiter in der Bühne und für alle Menschen im näheren Umfeld mit sich bringt.

Nicht weniger erstaunlich ist es, dass das Gerüst als vermeintlich sichereres Arbeitsmittel gilt. Scheinbar wird übersehen, dass bereits der Auf- und Abbau eines Gerüstes Gefahren für die Gerüstbauer birgt, und dass auch das Arbeiten auf einem Gerüst nicht ungefährlich ist.

Sehr interessant ist an dieser Stelle, dass die Berufsgenossenschaften seit einigen Jahren sowohl für die Arbeiten in fahrenden Hebebühnen, als auch für den Gerüstbau die Nutzung von PSA gegen Absturz fordern, denn die Statistiken beweisen auf beeindruckende Weise, dass während der Arbeiten auf Gerüsten und Hebebühnen mehr Unfälle passieren, als bei Arbeiten am Seil.

Darum arbeitet der FISAT daran, dass dem Arbeitsmittel Seil nicht länger eine nachgeordnete, sondern eine gleichgeordnete Stellung unter den Arbeitsmitteln für zeitweilige Arbeiten an hoch gelegenen Orten zuteil wird.

 
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