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Die Geschichte des FISAT

1994

Industriekletterer nennen sich Seilarbeiter, die in der DDR vom Seil aus an Plattenbauten brüchige Fugen sanierten. Nach 1989 erlebt die Branche einen Boom, der 1994 zu einem vorläufigen Ende kommt. Berufsgenossenschaften verbieten die Arbeit am Seil, machen Baustellen dicht, auf denen Höhenarbeiter tätig sind. Zu diesem Zeitpunkt treffen sich einige Anwender der seilunterstützten Techniken zu einem Strategiegespräch, das mit dem Beschluss zur Gründung eines Fachverbands endet. Sein Ziel soll sein, mit vereinten Kräften und als legitimierter Ansprechpartner die Interessen der Anwender durchzusetzen und das Arbeitsverfahren salonfähig zu machen.


1995

Die Gründungsversammlung findet am 15. Januar 1995 in Wunsiedel, Erzgebirge statt. Die fünfzehn Gründungsmitglieder aus dem Bereich Höhenarbeiten, Bergsport, Höhlenforschung, Höhenrettung, Rigging und Baumpflege geben dem Verband den Namen Fachverband für industriell angewandte Seil- und Anschlagtechnik, kurz FISAT. Der Verein wird beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen, die Geschäftsstelle am Firmensitz des Generalsekretärs installiert.
Zunächst initiiert der FISAT den SachVerständigenRat für Seil- und Sicherungstechniken (SVR), eine Gruppierung von hochrangigen Experten aus Industrie und Wirtschaft, den Unfallversicherungsträgern, den Höhenrettungsgruppen der Feuerwehren, den Höhlenrettungsgruppen, des DAV und dem Ausland. Dieses Gremium erarbeitet die ersten Ausbildungsrichtlinien für seilunterstützte Arbeitsverfahren in Deutschland. Im selben Jahr erwirkt der heutige Generalsekretär des FISAT, Frank Seltenheim, eine Ausnahmegenehmigung bei den Berufsgenossenschaften, der Reichstag darf mit Höhenarbeitern verhüllt werden. Seltenheim, damals noch kein Mitglied, organisiert daraufhin ein Treffen der Verbandsspitzen des FISAT und des Fachverbands für Spezialbausanierung e.V. (FSBS), der sich mit seilunterstützten Zugangstechniken beschäftigt. Ein Beschluss wird gefasst, dass eine gemeinsame Delegation zum Fachausschuss Bau entsendet wird, um die Erarbeitung von Regelwerken voranzutreiben.


1996

1996 erreicht der Verband die Einrichtung der Arbeitsgruppe "Abseilverfahren" beim Fachausschuss Bau der Bau Berufsgenossenschaft in Hannover. Es dauert 5 Jahre, die der FISAT in endlose Sitzungen und mühevolle Überzeugungsarbeit investiert, bis das Regelwerk BGI 772 verabschiedet wird. Es regelt verbindlich seilunterstütztes Arbeiten in Deutschland.
Der FISAT führt eine Pilotausbildung für Anwender seilunterstützter Arbeitsverfahren (SZT) durch. Als der Verband sich 2002 von der Ausbildung zurückzieht und sich auf das Zertifizieren der Teilnehmer beschränkt, beträgt die Gesamtzahl der Ausgebildeten mehr als 400.


1997

1997, nach zweijährigem Bestehen wird der Verband in Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken, kurz FISAT, umbenannt, da unsere Verfahren nicht wirklich industriell sind und der Verband alle Bereiche der Arbeit am Seil abdecken will.

Präsident wird Ing. Bernd Redlin (als Vater der Höhenrettung bundesweit bekannt), Vizepräsident wird Frank Seltenheim. Uwe Gimmerthal (Generalsekretär) und Knut Foppe (Referatsleiter Sicherheit und Ausbildung) werden in ihren Ämtern bestätigt. Das neue Referat "Öffentlichkeitsarbeit" führt Jürgen Krause als Vorstandsmitglied. Erstmals werden die Vorstände auf 4 Jahre gewählt.
Am 29.09.1997 wird der Verband beim Amtsgericht Charlottenburg unter der Nummer 17757 Nz im Vereinregister eingetragen und führt seitdem den Namen "Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V."
Der FISAT präsentiert sich erstmalig auf der Arbeitsschutzmesse A+A in Düsseldorf.


1998

Vom 15.-18. September 1998 findet das International Fall Protection Symposium (IFPS '98) statt. Es wird vom Sicherheitszentrum der Bau-BG in Erkrath veranstaltet. Als Mitveranstalter und Sponsor hinterläßt der FISAT seine Spuren im Veranstaltungsprogramm, das (erstmalig) seilunterstützte Arbeitsverfahren thematisiert. Der FISAT präsentiert sich einem internationalen Fachpublikum als nationale Organisation mit einem der weltweit höchsten Sicherheitsstandards. Ein voller Erfolg, der sich in der Folge darin niederschlägt, dass der FISAT seine Sichtweise der Zulässigkeit seilunterstützter Arbeitsverfahren in Kreisen der Entscheider etabliert, um seinen qualifizierten Mitgliedern ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen.
Zudem verbreitert der FISAT sein Tätigkeitsfeld und seinen Einfluss, indem er 1997 die Seilklettertechnik in der Baumpflege (SKT) und 1998 die Bereiche Rigging und Seiltechnik in der Erlebnispädagogik (StEp) ausbaut.
Ein Schwerpunkt des FISAT bleibt die Rettung aus Höhen und Tiefen, der kontinuierlich bearbeitet und entwickelt wird.


2000

Weitere Einflussmöglichkeiten erzielt der Verband durch die Entsendung eines Vertreters in den Normenausschuss persönliche Schutzausrüstung (NPS 31) des deutschen Instituts für Normung (DIN) im Jahre 1998 und der Delegierung von Mike Gimmerthal durch das DIN in die Arbeitsgruppe "Rope Access" der International Standard Organisation (ISO) im Jahr 2000. Zudem gelingt es dem FISAT drei Verbände, der größte davon der Verband für professionelle Licht- und Tontechnik e.V. (VPLT), als Mitglieder zu gewinnen, um die Interessen derer Mitglieder im Bereich seilunterstützte Arbeitsverfahren zu vertreten.


2002

2002 stellt der FISAT per Beschluss der Mitgliederversammlung Mike Gimmerthal als Geschäftsführer ein und unternimmt damit den Schritt vom rein ehrenamtlich zum hauptamtlich geführten Verband.


2003

Im August 2003 wird der FISAT in den wissenschaftlichen Beirat einer Studie zu seilunterstützten Arbeitsverfahren des Berufsgenossenschaftlichen Institutes für Arbeitssicherheit (BIA) - das von der TU Chemnitz durchgeführt wurde - berufen. Im selben Jahr nimmt der Verband Verhandlungen mit der Sozialversicherung Gartenbau (Gartenbau-BG) auf, um die Anerkennung seiner Zertifizierungen und Akkreditierungen zu erreichen.
Im November zieht die Geschäftsstelle nach Berlin um. Der Vizepräsident übernimmt kommissarisch und ehrenamtlich die Geschäftsführung.


2004

Auf der Mitgliederversammlung im Januar wird ein neuer Vorstand, bestehend aus Bernd Redlin (Präsident), Holger Nawrocki (Vizepräsident), Frank Seltenheim (Generalsekretär) und Mathias Kahle (Referatsleiter Sicherheit und Ausbildung) gewählt. Es werden Maßnahmen zur noch intensiveren Vertretung der Interessen aller Mitglieder beschlossen. Das Zertifiziererteam erarbeitet eine neue Ausbildungsstruktur, die den internationalen Anforderungen entspricht und den Ausgebildeten ein hohes Niveau sichert.


2006

Auf Initiative einer Moskauer Erwachsenenqualifizierungseinrichtung reist der Vorstand in die Russische Hauptstadt. Nach ausgiebigen Beratungen und der Übersetzung unserer Regelwerke ins Russische wird die Schule Mitglied im FISAT und prüft seit 2007 die Lehrgangsteilnehmer nach der FISAT Prüfungsordnung.

Auf der Hannover Messe führen Zertifizierer des FISAT die Standardarbeits- und -rettungsverfahren auf dem Stand der Metallbau-BG vor.


2007

Nachdem der FISAT zwei Industrieklettercups nur betreut hatte, übernimmt er 2007 den Sportevent als alleiniger Veranstalter. Beim 3. Industrieklettercup am 17. Februar in Berlin erleben ca. 600 Zuschauer 27 Starter aus 5 Nationen.

Auf der Arbeitsschutzmesse A+A in Düsseldorf ist der FISAT nach 1997 das 2. Mal mit einem eigenen Stand vertreten.