Was ist eigentlich Seilzugangstechnik?

Die Seilzugangstechnik, auch Seilzugangs- und Positionierungstechniken (SZP), international Rope Access genannt, eignet sich als Zugangsverfahren nicht nur für Arbeiten an hoch gelegenen und schwer zugänglichen Arbeitsplätzen beispielsweise für Inspektionen, Montagen und Reparaturen an Windenergieanlagen, Kirchtürmen, Hochhaus-Fassaden, Stadion-Dächern sondern auch für Arbeiten in der Tiefe, wie zum Beispiel in Brunnen- oder Revisionsschächten. Die Seilzugangs- und Positionierungstechnik ist eine schnelle, flexible und kostengünstige Alternative zu Gerüst oder Arbeitsbühne, um den jeweiligen Arbeitsort zu erreichen.

Wie funktioniert die Seilzugangstechnik und was ist zu beachten?

Das zentrale Thema bei der Anwendung der Seilzugangstechnik ist das redundante System: Die Höhenarbeiter, auch Industriekletterer oder Seilarbeiter genannt, positionieren sich für Arbeiten an hoch gelegenen Orten immer mit Hilfe von zwei Systemen beziehungsweise zwei Seilen: dem Tragseil und dem Sicherungsseil. An dem Tragseil steigt der Seilarbeiter auf oder seilt sich ab, um sich an der jeweiligen Arbeitsstelle zu positionieren. Das Sicherungsseil ist nur dazu da, den Seilarbeiter im Notfall aufzufangen. Jeder Höhenarbeiter ist also immer doppelt gesichert.

Um den fachgerechten Umgang mit den beiden Systemen sowie die Rettung von Kollegen zu erlernen, muss jeder Höhenarbeiter eine Ausbildung durchlaufen und schließlich eine Prüfung ablegen.

Aber nicht nur die Anwender der Seilzugangstechnik, sondern auch die verwendeten Einzelkomponenten müssen für den Gebrauch zugelassen sein: Das betrifft beispielsweise den Gurt, die Seile und die Karabiner.

Bevor es schließlich an die Arbeit geht, schaut sich der Aufsichtführende Höhenarbeiter die Baustelle an und erstellt eine objektbezogene Gefährdungsermittlung. Dann arbeitet der Aufsichtführende die objektbezogene Betriebsanweisung aus, in der die Zugangswege, Anschlagpunkte, Arbeitsorte und eventuelle Rettungen beschrieben werden. Da die normalen Rettungsdienste nicht an die Arbeitsorte von Höhenarbeitern gelangen können, werden Rettungen von Kollegen durchgeführt. Darum arbeiten Höhenarbeiter immer im Team.

Seit wann gibt es in Deutschland die Seilzugangstechnik?

In Deutschland wurde die Seilzugangstechnik bekannt, als 1995 der Berliner Reichstag verhüllt wurde: Über einhundert Höhenarbeiter haben damals das Konzept des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude Realität werden lassen. Eigentlich war das Arbeiten am Seil in Deutschland damals nicht erlaubt, aber nach langen Verhandlungen hat die Bau-Berufsgenossenschaft für das Kunst-Projekt eine Sondergenehmigung erteilt. Um die Seilzugangstechnik in Deutschland als zulässiges Positionierungsverfahren dauerhaft zu etablieren, haben sich die beteiligten Höhenarbeiter damals entschlossen, die Sicherheits- und Ausbildungsstandards für die Seilzugangstechnik genau zu definieren. Aufgrund dessen wurde im Januar 1995 der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V. (FISAT) gegründet.

Gibt es für die Seilzugangstechnik eine gesetzliche Regelung?

Das Arbeiten am Seil ist sowohl in Europa als auch in Deutschland gesetzlich geregelt. Für Europa gibt es die Richtlinie 2009/104/EG, die in Deutschland in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) umgesetzt wurde. Diese besagt, dass die Seilzugangstechnik angewendet werden darf, „wenn die Gefährdungsermittlung ergibt, dass die betreffende Arbeit sicher durchgeführt werden kann.”

Diese sichere Durchführung der Arbeiten wird durch die Zertifizierung der Anwender und der verwendeten Einzelkomponenten gewährleistet.

 
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